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„Dialoge scheitern oft am Zuhören“

Dezember 2017

Einst Profi-Tennisspieler, ist Steffen Kirchner heute in Deutschland sehr erfolgreich als Coach und Motivationstrainer, Buchautor, Blogger sowie als stark nachgefragter Vortragsredner unterwegs. Regen Zulauf erfahren auch seine Seminare. Die Fachgebiete von Kirchner lauten unter anderem Leistungsfreude, Erfolg, Glück, Spitzenleistung und Motivation. RQP-Info-Redakteur Jörg Nielsen sprach mit dem Oberbayer über die Bedeutung des Dialogs in kleinen und mittelständischen Unternehmen.


RPQ-Info: Steffen, du sagst, dass der Erfolg eines Unternehmens stark von seinem Management abhängt. Wie wichtig ist der Dialog dabei?

Kirchner: Entscheidend wichtig! Das Problem ist nur, dass wir den Dialog nie richtig gelernt haben. Eine gute Kommunikation findet nämlich auf den vier Ebenen Sprechen, Schreiben, auch Lesen, vor allem aber Zuhören statt. Meine Erfahrung aus der Wirtschaft ist, dass Dialoge insbesondere am Zuhören scheitern. Wie kann man das ändern? Indem man sich selbst nicht zu wichtig nimmt und mit vorgefertigten Meinungen in Dialoge geht, sondern dem anderen viel Raum und Aufmerksamkeit gibt.

RQP-Info: Chefs, die Mitarbeitern und Geschäftspartnern in langen Monologen die Welt erklären sind also schlechte Führungskräfte?

Kirchner: Wenn ich nicht weiß, was meinem Gegenüber emotional wichtig ist, und wenn ich keine Beziehung zu ihm aufbaue, nützen meine ganzen Führungsinstrumente gar nichts, auch Belohnungen und Anreize nicht. Ein klassisches Beispiel ist doch die Frage nach der Gehaltserhöhung. Nur was fragt der Mitarbeiter wirklich? Braucht er Hilfe wegen seiner Existenzängste, weil er gerade ein zweites Kind bekommen hat oder verlangt er nach mehr Wertschätzung für seine Arbeit? Es gibt eine äußere Botschaft an der Oberfläche, aber auch eine viel tiefergehende emotionale Botschaft. Die gilt es zu entdecken. Das geht nur, wenn man sich für den anderen ernsthaft interessiert. Erst dann entsteht Beziehung, und erst dann entsteht ein Dialog.

RQP-Info: Das klingt mir noch zu theoretisch, denn es gibt nun mal Chefs und Angestellte. Da ist doch ein Dialog auf Augenhöhe gar nicht so einfach…

Kirchner: … je nachdem, wie du Augenhöhe definierst. Klar gibt es Hierarchien. Nimm mal eine Fußball-Mannschaft. Einer ist Trainer, die anderen sind Spieler. Nun gibt es das Felix-Magath-Prinzip: Ich bin hier der Boss und ihr habt hier anzutanzen und das zu tun, was ich will. Oder man macht es wie Jürgen Klopp, der vorn weggeht und die anderen als gleichberechtigt mitnimmt. Vielleicht ist das der wesentliche Unterschied zwischen Führungskräften alter und neuer Schule. Alte Führungskräfte verstehen sich oft als Berater, die anordnen, wie die Dinge zu laufen haben. Neue definieren sich als Coach, der herausfindet, was sein Gesprächspartner möchte und gemeinsam mit ihm Wege zum Ziel entwickelt. Coaching kommt ja von Kutsche. Das heißt, der Coach ist ein Transportunternehmer, der die Menschen dort abholt, wo sie stehen, mit ihnen das Ziel klärt und sie dahin bringt. Dabei kann sich übrigens auch herausstellen, dass man dieses Ziel nicht zusammen erreicht und es besser ist, sich voneinander zu trennen.


RQP-Info: Führen ist die eine Seite, Gespräche mit Geschäftspartnern oder Kreditinstituten die andere. Gelten hier die gleichen Spielregeln für den Dialog?

Kirchner: Ja, es gelten immer die gleichen Prinzipien. Schließlich fragt sich jeder, den ich erreichen möchte, was er davon hat, wenn er in mich Aufmerksamkeit, Zeit und auch Vertrauen investiert. Deswegen ist es wichtig, auch Geschäftspartnern zu verdeutlichen: Hey, du bist mir wichtig. Den anderen in den Mittelpunkt stellen, dann wird ein Schuh draus.

RQP-Info: Lohnt sich so eine Investition? Welchen Stellenwert hat der Dialog tatsächlich für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens?

Kirchner: Einen absolut maßgeblichen Einfluss. In unserem digitalen Zeitalter ist es doch sehr schwer, sich mit Produktmerkmalen von anderen zu unterscheiden. Ich hatte einmal die Gelegenheit, mich länger mit Jürgen Klopp zu unterhalten und der sagte mir: Die einzige Möglichkeit, sich heutzutage als Fußballclub noch abzuheben, sind nicht die besseren Spieler, sondern die Identifikation und die entsteht nur durch gelungenen Dialog. Die Qualität der Unternehmenskultur entsteht nur über die Identifikation der Mitarbeiter und Kunden. Harley-Davidson macht es schön vor, indem keine Motorräder, sondern Lebensträume verkauft werden. Das schafft sehr starke positive Bilder und Gefühle, mit denen sich viele Menschen identifizieren können. Ich glaube daher, dass Unternehmenserfolg in erster Linie mit der Fähigkeit zu tun hat, positive Gefühle bei anderen Menschen zu erzeugen.


RQP-Tipps

Buch: Totmotiviert? Das Ende der Motivationslügen und was Menschen wirklich antreibt, Gabal 2015

Podcasts: Kostenlos abrufbar hier bei iTunes.

Seminare:

  • 28.04. - 29.04.18Erfolgsoffensive
    Paderborn, Schützenhof
  • 10.11. - 11.11.18 Erfolgsoffensive
    Taufkirchen bei München, Kultur- und Kongresszentrum
  • 21.07.18 Millionaire Mind – Die Erfolgsstrategien reicher Menschen
    Hotel Hilton, Flughafen München
  • 02.06.18 Power sucht Frau – Deutschlands größtes Frauencoaching Seminarevent,
    Stadthalle Gersthofen
 
RQP-Info: Und wie sieht die Realität aus? Du hast in deiner Laufbahn schon viele Mitarbeiter und Führungskräfte kennengelernt. Wie ist es um die Dialogfähigkeit und um positive Gefühle in deutschen Betrieben bestellt?

Kirchner: Das ist zweigeteilt. Es gibt immer mehr Menschen, die sich neuen Führungs- und Kommunikationswegen öffnen und auch stark ihre eigene Persönlichkeit weiterentwickeln. Zu viele meinen hingegen noch, was sie in den vergangenen 100 Jahren gemacht hätten, könne nicht falsch sein. Ich glaube ganz fest daran, dass diejenigen, die ihre Kommunikation- und Dialogfähigkeiten nicht weiterentwickeln, auf der Strecke bleiben. Sie erreichen die Menschen nicht mehr und hören vor allem nicht, was der Markt will. Ich hatte erst vor wenigen Monaten ein Schlüsselerlebnis. Bei einer Vortragsreihe vor insgesamt 3.000 Führungskräften einer großen Bank kannte niemand die Society 1. Dabei handelt es sich um die weltweit am stärksten wachsende Bank, wenn auch mit einem etwas anderen Geschäftsmodell. Die Frage ist, warum wird so eine wichtige Entwicklung übersehen? Weil wir uns zu sehr mit uns selbst beschäftigen. Wir kommunizieren zwar viel, wir kommunizieren allerdings oft in die falsche Richtung. Um erfolgreich zu sein, müssen wir uns von alten Denkmustern lösen.

RQP-Info:
Deine Gedanken können dabei helfen, sich von alten Denkmustern zu lösen. Was muss man tun, wenn man sich näher mit deinen Ideen auseinandersetzen möchte?

Kirchner: Mich als Redner ins Unternehmen holen. Menschen lernen am stärksten nicht nur durchs Zuhören, sondern durch Erlebnisse. Und wir erzeugen bei unseren Veranstaltungen wirklich sehr schöne Emotionen. Ansonsten natürlich gern meine Pod-casts hören, zu meinen Seminaren kommen und auf meiner Internetseite www.steffenkirchner.de stöbern.

RQP-Info: Steffen Kirchner, herzlichen Dank für deine Zeit und das spannende Interview.

RQP-Beraterprofil: Steffen Kirchner

Steffen Kirchner ist Persönlichkeitstrainer und zählt im Bereich der Motivations- und Erfolgs-Psychologie zu den führenden Experten im deutschsprachigen Raum. Über 500 Unternehmen, Profi-Sportler und Sportlerinnen sowie Teams hat er in den letzten sieben Jahren beraten. Darunter Unternehmen wie Audi, Siemens, die Sparkassen Versicherung oder die DZ Bank sowie Nationalkader-Athleten. Über 100.000 Menschen haben bereits an seinen Seminaren und Coaching Events teilgenommen. Mehr Informationen unter www.steffenkirchner.de.


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