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Finanzielle Förderung für Firmengründer

März 2014
von Christiane Tiemann, Tanja Werner

RQP Info: Ausgabe 01/März 2014

Die Andreas August Friedrich Nissen & Alwine Schulze-Nissen Stiftung im Porträt

Hamburg. Junge Menschen mit kreativen Ideen haben es oft schwer, ein Unternehmen zu über-nehmen oder gar neu zu gründen. Zu hoch sind die finanziellen Hürden und zu groß die Risiken auf dem Weg, Chef im eigenen Hause zu werden. Die Andreas August Friedrich Nissen & Alwine Schulze-Nissen Stiftung  (Nissen Stiftung)  greift diesen Existenzgründern mit einem Darlehen oder Zuschüssen bei ihren ersten Gehversuchen in die Selbstständigkeit unter die Arme. Nachhaltig wirkende Finanzspritzen gibt die Stiftung aus Hamburg aber auch für berufliche Fort- und Weiterbildungen, etwa wenn ein Geselle beschließt, Handwerksmeister zu werden. Ebenso werden Studierende gefördert, die zum Beispiel ein Auslandssemester einlegen wollen oder ihre Doktorarbeit anstreben und Unterstützung für ihren Lebensunterhalt benötigen. Kurz: Immer wenn Existenzgründung oder Bildung im Vordergrund stehen, kann Geld aus der Stiftung fließen.

„Der klassische Fall für eine Förderung ist ein Existenzgründer, der einen Finanzierungsbedarf von zum Beispiel 400.000 Euro hat und trotz Eigenkapitals und Bankkredit immer noch eine Finanzierungslücke von bis zu 25.000 Euro schließen muss“, erläutert Ursula Laufköter von der Nissen Stiftung. „Wir schließen als i-Tüpfelchen dann gern diese Lücke“, so Laufköter. Positiver Nebeneffekt: Die Förderung zählt als Eigenkapital. Das steigert die Bonität bei der Bank und senkt eventuell die Zinsen.
Ein aktuelles Beispiel: Ein Existenzgründer will sich mit einem Planungsbüro selbstständig machen und hat die Stiftung um 10.000 Euro gebeten. „Wir haben dann alle Unterlagen angefordert wie einen Businessplan oder einen Finanzierungsnachweis“, erklärt Ursula Laufköter die Vorgehensweise. Auch prüfe die Stiftung, ob die 10.000 Euro ausreichten und wie das Geld zurückgezahlt werden solle. Nicht zuletzt dürfe der Bewerber höchstens 40 Jahre alt sein. Aus Hamburg müsse er aber nicht kommen. Die Stiftungsgelder stehen Antragsstellern aus ganz Deutschland offen. „Hauptsache wir erkennen aus den Anträgen, dass es sich lohnt, zu investieren.“

Am Ende bewilligt der Stiftungsvorstand die Vergabe der Gelder. Vorstandsmitglieder sind der Hamburger Unternehmensberater Jan Eutert (TG International), Dr. Jürgen Grabe, Professor an der Technischen Universität Hamburg-Harburg und Norbert Ussleber von der Handwerkskammer Hamburg.

Die Fördersumme für Existenzgründer ist auf 25.000 Euro begrenzt. Studierende erhalten höchstens 18.000 Euro in monatlichen Raten als monatlichen Lebenshaltungskostenzuschuss. Darüber hinaus fördert die Stiftung Träger-Institutionen, die Schulbildungs-Maßnahmen anbieten. Das zinslose Darlehen soll zwei Jahre nach der Förderung in längstens sieben Jahren zurückgezahlt werden. Ursula Laufköter: „Unter bestimmten Umständen ist es möglich, das Darlehen in einen nicht rückzahlbaren Zuschuss umzu-wandeln. Studierende können beispielsweise bei Beendigung ihres Studiums innerhalb der Regelstudi-enzeit  bzw. bei einer mit  der Note ‚gut‘ abgeschlossenen Prüfung einen Erlass von 50 Prozent der Dar-lehenssumme beantragen.“

Damit das Geld an den richtigen Stellen ankommt, baut die Nissen Stiftung, die mit Ursula Laufköter nur eine Halbtagskraft hauptamtlich beschäftigt, derzeit eigene Netzwerke aus. Bürgschaftsgemeinschaften, Banken, das Gründerkompetenzzentrum in Hamburg, die Handelskammer und die Handwerkskammer, die Investitionsförderbank, die Innovationskontaktstelle, die N-Bank, Universitäten und natürlich RQP sind nur einige Beispiele für Partner, die künftig noch stärker als bisher Kandidaten für das nachhaltig wirkende Stipendium empfehlen sollen.


Nissen Stiftung Profil:
Die Hamburgerin Alwine Schulze-Nissen hat sich bereits zu Lebzeiten mit hohem Engagement für den Werdegang und die berufliche Entwicklung junger Menschen eingesetzt. Sie errichtete die Andreas Au-gust Friedrich Nissen & Alwine Schulze-Nissen Stiftung am 19. Juni 1963 in Gedenken an ihren Vater, den Baumeister Andreas August Friedrich  Nissen. Stiftungszweck ist die Unterstützung von Aus- und Fortbildung sowie die Entwicklung von beruflichen Perspektiven für engagierte Berufsstarter. Den Moti-ven der Stiftungsgründer folgend findet das Stiftungskapital auf diese Weise eine sinnvolle und gesell-schaftlich wichtige Verwendung. Das Stiftungsvermögen beträgt rund 1,7 Millionen Euro und umfasst außerdem eine Immobilie mit Mietwohnungen, die für einen anhaltenden Kapitalzufluss sorgt. Jährlich werden zwischen 200.000 und 250.000 Euro an Darlehen und Zuschüssen ausgegeben.

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