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„Förderprojekte sind oft besser als ihr Ruf“

April 2015
Groß Grönau. Es ist ein Problem: Millionen Euro an Förderzuschüssen stehen für Bera-tungsleistungen in unzähligen Töpfen zu Verfügung. In Norddeutschland werden viele davon nicht abgerufen. Entweder kennen die Betriebe die Möglichkeiten der Bezuschussung von Beratungsprojekten nicht oder sie scheuen sich davor, externe Experten in das Unternehmen zu holen. RQP hat es sich daher auf die Fahnen geschrieben, Vertrauen zu Beratern aufzubauen. Einer der Experten aus dem RQP-Beraterpool ist Dr. Ralf Siegbert Pulz, Partner der Pulz & Partner Managementberatung aus Groß Grönau im Kreis Herzogtum Lauenburg. Dr. Pulz kennt sich im Förderdschungel ganz genau aus und hat gemeinsam mit seinen Kunden schon viele Fördermittel erfolgreich an Land gezogen, wie er in einem Interview mit RQP-Info-Redakteur Jörg Manthei erläutert.

RQP-Berater Dr. Ralf Siegbert Pulz im Gespräch mit der RQP-Info
 
Dr. Ralf Siegbert Pulz
RQP-Berater Dr. Ralf Siegbert Pulz (Foto: privat)
RQP-Info: Herr Dr. Pulz, Ihr Leitspruch ist ziemlich simpel: Von der Idee zum Erfolg …
Dr. Pulz: … denn das entscheidende in unserem Geschäft sind die Umsetzungspotenziale. Bei vielen Unternehmen sind Ideen, Kreativität und Engagement da. Sie wissen aber nicht, was sie tun müssen, um die Innovationen auf die Straße zu bekommen und sind manchmal von Anfang an nicht richtig aufgestellt. Das zu ändern, ist unser Job.
RQP-Info: Zeichnen Sie doch bitte mal ein Bild von diesem Job, damit ich mir das besser vorstellen kann!
Dr. Pulz: Gern mit einem Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. Ein Unternehmer wollte einen mobilen Roboter für eine neuartige Anwendung entwickeln und herstellen und dafür Fördermittel beantragen. In einem ersten Schritt führe ich für so ein Projekt eine Markt- und Wettbewerbsuntersuchung durch und stelle in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern auch aus dem RQP-Netzwerk fest, ob in diesem Be-reich schon Ideen patentiert sind und der Markt noch Potenziale hergibt. Dann sehe ich mir Stärken, Schwächen und vor allem die betriebswirtschaftlichen Daten des Unternehmens an: Hat es die nötigen Mittel? Erwirtschaftet es ein ausreichendes Betriebsergebnis, um den Eigenanteil für das Förderpro-gramm zu leisten? Hat es das notwendige Know-how und die Fachkräfte vor Ort oder benötigt es noch Partner? Dann sehe ich zum Beispiel in Fachhochschulen oder Technologiezentren nach, welche Leis-tungen hier integriert werden können – was Förderprogramme oft ausdrücklich vorsehen. Schließlich entwickele ich ein Realisierungskonzept, inklusive Finanzierung und Fördermöglichkeiten. Wenn der Kunde es wünscht, begleiten wir ihn anschließend bei der Projektumsetzung – bis hin zur Markteinfüh-rung. Für kleinere Unternehmen habe ich sogar schon als Interimsmanager alle anfallenden Aufgaben gelöst.
RQP-Info: Nun bieten ja Förderbanken oder die Kammern Beratungen zu Förderthemen. Mit welchen Alleinstellungsmerkmalen unterscheiden Sie sich von diesen kostenlosen Angeboten?
Dr. Pulz: Das ist ganz klar. Die Kammern, Organisationen wie die WTSH oder die Förderbanken infor-mieren ihre Kunden umfassend über die Vielfalt der Fördermöglichkeiten und geben Tipps für die An-tragsstellung. Was sie in der Regel nicht machen, ist für die tatsächliche detaillierte Ausarbeitung in diese Projekte einzusteigen. Da fehlt oft die Kapazität. Da kommen wir dann als Umsetzungspartner zum Zuge.
Top TippsRQP-Info: Und auf welche Schwierigkeiten stoßen Sie dabei?
Dr. Pulz: Zunächst gibt es in Norddeutschland leider eine gewisse Scheu, sich externen Fachleuten an-zuvertrauen. Das ist eine ganz große Schwierigkeit. Oft sind Projekte schon ohne Beratung falsch aufge-setzt worden und es ist viel verbrannte Erde entstanden.
RQP-Info: Was kann konkret falsch laufen?
Dr. Pulz: Zum Beispiel wurde vorher keine Marktanalyse durchgeführt. Dem bereits erwähnten Kunden mit den Robotern war zum Beispiel nicht bewusst, dass es in dem Bereich schon zwölf Patente gibt. Außerdem gab es schon wirtschaftlichere Lösungen für die angedachte Anwendung. Das habe ich ebenfalls herausgefunden. Da hat er – wie man so schön sagt – verdutzt geguckt und realisiert, dass sein Projekt so nicht durchführbar ist. Das war Gott sei Dank zu einem frühen Zeitpunkt und er hatte noch nicht so viel Geld in die Hand genommen. Die typische Schwierigkeit ist also, dass die Kunden zu spät oder überhaupt nicht kommen. Viele haben ja auch nur gehört, dass Fördermittelanträge bürokratisch sowie kompliziert sind und nichts bringen. Das stimmt aber meistens nicht, und wir können hier helfen.
RQP-Info: Wie bürokratisch ist so eine Antragsstellung denn?
Dr. Pulz: Das ist extrem unterschiedlich. Es gibt sehr schlanke Programme, die wirklich so mittelstands-gerecht aufgelegt wurden, dass man sie allein anpacken kann. Es gibt aber auch wirklich welche, die so umfangreich und kompliziert sind, dass man sich fragen muss, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt…
RQP-Info: …vor allem wenn die Erfolgsquote, am Ende tatsächlich Geld zu bekommen, nicht so hoch ist?
Dr. Pulz: Das kann ich Ihnen aber vorher ganz klar sagen. Wer uns einsetzt, bekommt in der Regel auch Fördermittel. Denn wir füllen ja nicht einfach nur Anträge aus, sondern überprüfen eingehend die För-derfähigkeit. Wir kennen die Richtlinien, die manchmal viele Seiten in bestem Beamtendeutsch umfassen. Und wir haben Erfahrungen mit den richtigen Wordings.
RQP-Info: Was meinen Sie damit?
Dr. Pulz: Das sehr wichtige Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) lässt zum Beispiel keine Auftragsforschung zu. Wer also ein Produkt für einen Kunden weiterentwickeln möchte, kann das nicht einsetzen. Um zu vermeiden, Anträge umsonst zu stellen, muss man die Regeln sehr gut kennen.
RQP-Info: F&E, also Forschung und Entwicklung ist ein Förderthema. Was gibt es eigentlich noch? Bringen Sie mal etwas Licht in das Dickicht!
Dr. Pulz: Was wirklich nicht einfach ist. F&E ist das eine. Gefördert werden aber auch Investitionen, also die Beschaffung von Anlagen oder der Bau einer Halle. Hierbei stehen in der Regel die Regionalförderung und die Schaffung von Arbeitsplätzen im Mittelpunkt. Dann kommt der Bereich Personal. Wenn Sie als Mittelständler innovative Ideen und Know-how an Bord holen wollen, können Sie junge Hochschulabsolventen als Innovationsassistenten, so heißt das Programm, einstellen. Von der Agentur für Arbeit gibt es ebenfalls diverse Zuschussprogramme für neue Mitarbeiter, die lange arbeitslos waren oder gering qualifiziert sind. Relativ neu ist schließlich das Thema Investitionen im Zusammenhang mit Energieeinsparung. Hier wird neue Technik gefördert, die besonders energieeffizient arbeitet. Einige Maschinenhersteller überlegen deshalb, die Energieeffizienz ihrer Produkte mit dem Programm als Produktvorteil zu verbinden. Das war jetzt aber nur ein kleiner, für den Mittelstand wichtiger, Pfad durch das Förderdickicht. Insgesamt gibt es in Deutschland um die 1.000 Förderprogramme.
RQP-Info: Wie behalten Sie da den Überblick?
Dr. Pulz: Man kann seriös eigentlich nur eine bestimmte Anzahl von Themen überschauen, zumal sich die Dinge ständig ändern. Ich konzentriere mich auf die Schwerpunkte Investition, Innovation und Personal. Das reicht, denn unsere Kunden machen ja auch nicht zehn Fässer gleichzeitig auf. Alles, was in meinen Bereich fällt, kann ich dann aber mit viel Wissen und Erfahrung von Anfang bis Ende betreuen.
RQP-Info: Herr Dr. Pulz, vielen Dank für das Gespräch.
 
 
RQP-Beraterprofil: Ralf Siegbert Pulz (Dr. Pulz & Partner Managementberatung)
Der promovierte Biologe und Betriebswirt (Bachelor of Business Administration) hat 2004 die Dr. Pulz & Partner Managementberatung in Groß Grönau gegründet. Seiner Beratertätigkeit sind knapp 20 Jahre Industrieerfahrung vorausgegangen. In namhaften mittelständischen Technologieunternehmen und Kon-zerntochtergesellschaften hat er die Themen Produktmanagement, Marketing, Vertrieb und Entwicklung von der Pike auf gelernt und als Führungskraft in Managementpositionen verantwortet. Als Berater bietet er heute mittelständischen Unternehmen, aber auch Start-ups, strategische, konzeptionelle und operative Unterstützung bei der praktischen Umsetzung von Innovationen. Dabei hat er sich aufgrund seiner Erfah-rung und Vorbildung vor allem auf technologiebasierte und wissensorientierte Märkte spezialisiert. Seine Kompetenzfelder: Innovationsmanagement, Innovationsfinanzierung, Innovationsförderung, Fördermittel, strategische und operative Unternehmensplanung. Der Leitspruch seiner Beratungsagentur mit insgesamt drei Partnern: Von der Idee zum Erfolg. Weitere Informationen unter www.mehr-innovationserfolg.de.

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