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Mittelständische Beteiligungsgesellschaft: Ein strategisch großer Wert für die Unternehmensfinanzierung

Dezember 2016
von Tanja Werner

Kiel. Holger Zervas ist seit September Geschäftsführer der Mittelständischen Beteiligungsgesell-schaft (MBG) Schleswig-Holstein sowie der Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein. Der ehemalige Leiter Firmenkunden der Investitionsbank Schleswig-Holstein ist die Nachfolge von Dr. Gerd-Rüdiger Steffen angetreten, der in den Ruhestand gegangen ist. RQP-Info Redakteur Jörg Nielsen sprach mit dem Wahl-Schleswig-Holsteiner über Herausforderungen, denen sich die MBG in den kommenden Jahren stellen muss. 

RQP-Info: Herr Zervas, für Ihren großen Karrieresprung hatten Sie ja nur einen kleinen Schritt zu gehen: Sie mussten als neuer Chef der MBG nicht einmal das Gebäude wechseln, richtig?

Zervas: Ja, ich bin innerhalb des gleichen Hauses umgezogen und habe auch vorher schon sehr eng mit den Kollegen der MBG zusammengearbeitet. Es hat mir sehr den Einstieg erleichtert, dass ich fast jeden Mitarbeiter, aber auch viele Aufgaben schon kenne. Trotzdem werden in den kommenden Monaten zahl-reiche neue Eindrücke auf mich zukommen.

RQP-Info: … und neue Herausforderungen?

Zervas: Ja, ganz bestimmt. Aber einen Paradigmenwechsel wird es bei der MBG nicht geben. Die Herausforderungen liegen vielmehr im Markt. Das bedeutet für uns eher eine Evolution, keine Revolution.

RQP-Info: Was heißt das konkret?

Zervas: Um die gute Entwicklung der MBG weiterzuführen, müssen wir uns vertrieblich noch fokussierter besser aufstellen und unsere Stärken mehr kommunizieren. Wissen Sie, beim jetzigen Zinsgefüge haben wir doch ein Problem. Die von uns zur Verfügung gestellten Mittel sind vergleichsweise teuer. Das führt zu einer optischen Hemmschwelle. Zugleich finanzieren Banken im Moment erfreulich gern relativ viel, so dass für uns aber manchmal weniger übrigbleibt. In guten Zeiten werden wir halt tendenziell weniger angefragt, als wenn die Wirtschaft schwächelt. Unsere Aufgabe ist es daher, Vertriebspartner und mittelständische Unternehmen noch mehr zu motivieren daran zu denken, den strategischen Wert einer mittelständischen Beteiligung zu erkennen und nicht erst dann, wenn es nicht mehr so gut läuft.

RQP-Info: Erklären Sie doch mal diesen strategischen Wert!

Zervas: Unsere Mittel stellen wirtschaftliches Eigenkapital dar. Die Folge ist eine Verbesserung der Eigenkapitalquote, der Ratings und damit auch der Finanzierungskosten. Zudem schonen sie die Liquidität, da diese in der Regel endfällig sind und erhöhen das Sicherheitenpotenzial, das für die Fremdfinanzierung zur Verfügung steht, da wir unsere Mittel ohne Absicherung bereitstellen. Daher sollten Unternehmer nicht einfach nur darauf achten, wie teuer ein Kredit ist, sondern sie sollten das Gesamt-Setting in der Bilanz nicht aus dem Auge verlieren. Das ist unser Wert und nicht die auf den ersten Blick teureren Konditionen.

RQP-Info: Ist das im Mittelstand ausreichend bekannt?

Zervas: Ja und Nein, wir müssen da weiter dranbleiben. Ich sehe das doch schon beispielhaft an manchen Fragezeichen in den Gesichtern meiner Bekannten, wenn ich erzähle, dass ich jetzt bei der MBG arbeite, dass die Verbreitung unseres Bekanntheitsgrades ein laufender Prozess ist.

RQP-Info: Welche Themen wollen Sie noch anpacken?

Zervas: Eine besondere Herausforderung ist das Thema Digitalisierung. Wir wollen nicht nur den Arbeitsprozess im Hause stärker digitalisieren, sondern auch den Zugang der Kunden und der Partner zu uns ausbauen. Wir müssen zum Beispiel stärker in die Kundenbetreuungssysteme der Banken reinkom-men, damit wir nicht abgehängt werden.

RQP-Info: Haben Sie hier den Anschluss verpasst?

Zervas: Das würde ich nicht sagen. Nein, es gilt vielmehr den Entwicklungen zu folgen, die viele Kreditinstitute nehmen. Wir haben ja wenig Preissteigerungsmöglichkeiten oder komplett neue Produkte. Wir können primär nur auf Produktivität achten. Und wenn sich unsere Kunden stärker digitalisieren, müssen wir dranbleiben. Sind wir auch, aber das ist ein Prozess. Ein Thema ist natürlich, dass eine Sparkasse hier anders arbeitet als zum Beispiel die Volksbanken.

RQP-Info: Wie wichtig ist für Sie die Zusammenarbeit mit RQP?

Zervas: Die schätzen wir sehr. Allein die Chance mit einem Profi wie RQP darüber zu reden, wer die richtigen Berater für spezielle Segmente sind, ist ein Wert an sich. Sehr große Firmen finden im Zweifelsfall selbst einen guten Berater. Aber es gibt ja viele Unternehmen, die großartig in ihren Jobs sind und ihre Produkte verkaufen. Woher sollen die einen guten Berater kennen? Daher ist es wichtig, diese Expertise zu haben, um nicht nur den fachlich richtigen Experten zu finden, sondern einen, der auch noch zu den sehr unterschiedlichen Charakteren mittelständischer Unternehmer passt.

RQP-Info: Herr Zervas, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Zukunft.

Holger Zervas (Foto:MBG)Holger Zervas (Foto: MBG) ist in Stuttgart geboren, lebt aber schon seit gut 30 Jahren in Norddeutschland.
Mit mittelständischen Kunden kennt sich der Banker genau aus: Firmenkunden verschiedener Kreditinstitute haben das gesamte Berufsleben des dreifachen Familienvaters und passionierten Motorradfahrers geprägt. So war der studierte Betriebswirt Leiter des Firmenkundengeschäfts sowohl bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein als auch bei der Landesbank Schleswig-Holstein.

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