« zurück zur Übersicht

RQP-Berater Ulrich Betinski im Gespräch mit RQP Info

März 2014
von Christiane Tiemann, Tanja Werner

RQP Info: Ausgabe 01/März 2014

Eckernförde. Kaum ein Wirtschaftszweig ist so anfällig für Konjunkturschwankungen wie die Speditions-, Transport- und Logistikbranche. Sobald der Wirtschaftsmotor ins Stottern gerät, gehen die Aufträge für das Straßengüterverkehrsgewerbe zurück. Perfekter Zähler für derartige Entwicklungen sind die Mautstationen auf den Autobahnen. Doch es gibt noch mehr Faktoren, die schnell an positiven Bilanzen der zumeist kleinen mittelständischen LKW-Unternehmen knabbern: Steigende Dieselpreise, ein besonders harter Wettbewerb und Überkapazitäten machen es für jede Spedition zur Pflichtaufgabe, stetig an der Optimierung von Unternehmensstrukturen zu arbeiten. „Schon kleine Fehler können in der margenschwachen Branche Richtung Insolvenz führen“, sagt Branchenkenner Ulrich Betinski. Der RQP-Berater von der BGU Betinski + Grimm Unternehmensberatung aus Eckernförde erarbeitet gemeinsam mit den Logistikern Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Rentabilität und Liquidität. Im Interview mit RQP Info berichtet der Diplom-Betriebswirt (FH), der früher einmal in der betriebswirtschaftlichen Abteilung einer Großbank Risikokunden betreut hat, von seinen nachhaltigen Beratungserfolgen in der Speditionsbranche.

RQP Info: Wer sind Ihre Kunden aus dem Transportgewerbe?
Betinski: 90 Prozent des Warenverkehrs in Deutschland sind in der Hand von wenigen großen Logistikern. Ich berate die anderen. Hier kenne ich mich aber in fast allen Bereichen aus: Fern- und Nah- bzw. Verteilungsverkehr. Stückgüter, Massengüter wie Getreide und Dünger oder Kühlgüter wie Milch oder Gemüse.


RQP Info:
Auf welche Probleme stoßen Sie in der Branche?

Betinski:
Wissen Sie, das ist ein schwieriges Gewerbe. Diese mittelständischen Unternehmen bekommen von den Banken meistens einen roten Reiter. Sie sind nicht nur konjunkturanfällig. Sie kommen außerdem kaum an die großen Auftraggeber ran. Vielmehr sind sie häufig von den großen Playern der Logistik abhängig. Unternehmen wie Kühne & Nagel oder Schenker haben nicht immer ausreichende Kapazitäten und setzen dann die Mittelständler ein. Nur ziehen sie erst einmal eine Marge für sich selbst ab. Dadurch fehlt den kleinen Transportunternehmen der Ertrag, der das Sahnehäubchen ausmacht …


RQP Info:
… das bringt sie bei der nächsten Dieselpreiserhöhung in wirtschaftliche Schwierigkeiten und dann kommen sie zu Ihnen?

Betinski:
Meistens kommen meine Kunden erst, wenn es fünf vor zwölf ist oder noch später. Oder sie werden von ihren Banken geschickt.


RQP Info:
Aber die Dieselpreise können Sie auch nicht senken!

Betinski:
Leider nicht, aber es gibt andere Möglichkeiten. Um die zu identifizieren, sehe ich mir die Organisation erst einmal genau an. Auf Grundlage von Unternehmenszahlen führe ich dann eigene Analysen durch. Bilanzierung und Costing: das beherrsche ich.


RQP Info:
Und wo setzen Sie dann an?

Betinski:
Das kommt natürlich auf das Unternehmen an. Zum Beispiel versuche ich den Fuhrpark zu optimieren. LKW mit zu hohem Schadstoffausstoß kosten auf der Autobahn so viel Maut, dass die Marge komplett aufgefressen werden kann. Ich sehe mir aber nicht nur an, was gefahren wird, sondern auch für wen. Ein Kunde ist Baustoffe für einen Zementkonzern gefahren. Bei meiner Ertragsanalyse habe ich festgestellt, dass er damit nichts verdient. Bei so einem Fall muss entweder nachverhandelt oder nach Alternativen gesucht werden. Ein besonders schwieriger Bereich ist auch der Verteilungsverkehr, bei dem der Spediteur logistische Funktionen übernimmt. Die Frachtraten sind relativ klein. Daher gilt es zum Beispiel Anschlusstouren zu finden und eine optimale Auslastung. Wenn Sie 1,20 Euro pro Kilometer einfahren, haben aber 20 Prozent der Fahrt an Leerkilometern, dann kommen Sie schnell in Bereiche, wo Sie überhaupt kein Geld mehr verdienen. Das ist viel Detailarbeit, aber notwendig, um Strukturveränderungen herbeizuführen. Manchmal kommt sogar eine komplett neue strategische Ausrichtung des Unternehmens dabei heraus.


RQP Info:
Und manchmal müssen auch Mitarbeiter entlassen werden?

Betinski:
Natürlich. Es gibt eine Faustformel. Wenn ich 20 Autos auf der Straße habe, brauche ich wegen Urlaub oder Krankheit 23 Fahrer. Da gibt es teilweise Missverhältnisse, die manchmal sehr persönlicher Natur sind. Das gucke ich mir auf jeden Fall an. Aber nicht nur die Entlohnung, sondern auch die Qualifikation der Fahrer spielt eine große Rolle. Die müssen optimal fahren können. Viele Wege führen nach Rom. Aber gerade in unserer Just-in-time-Gesellschaft ist nur ein Weg der beste. Es geht darum, Treibstoff zu sparen, aber auch darum selbst dann noch pünktlich anzukommen, wenn Ladung für mehrere Standorte an Bord ist. Es ist wirklich nicht einfach gute Fahrer zu finden.


RQP Info:
Wie erfolgreich ist Ihre Beratung denn in der Vergangenheit gewesen?

Betinski:
Ich habe etwa 30 Projekte in der Speditionsbranche begleitet. Gerade habe ich den Jahresabschluss 2013 einer Spedition erhalten. Meine Analysen hatten 2011 ergeben, dass der Ertrag des Unternehmens zu schwach war. Durch die von mir vorgeschlagenen Veränderungen von Kundenstrukturen und Equipment ist das Ergebnis nun innerhalb von drei Jahren verdreifacht worden. Darüber freue ich mich sehr.


RQP Info:
Also sind Ihre Kunden nach der Beratung fit die Zukunft?

Betinski:
Was heißt in unserer schnelllebigen Zeit Zukunft? Ich halte zu meinen Kunden in der Regel auch nach dem Projekt Kontakt und stehe für Fragen als Coach zur Verfügung. Denn in dieser Branche wird es immer Schwierigkeiten geben. Man muss jedes Jahr neu aufpassen, dass man sich optimal am Markt bewegt. Die Zeiten klarer Strukturen mit langfristigem Charakter sind eben vorbei.


RQP-Beraterprofil: Ulrich Betinski (BGU Betinski + Grimm Unternehmensberatung)
Ulrich Betinski ist gemeinsam mit seinem Partner Jörg Grimm seit fast 30 Jahren von Eckernförde aus als Berater in Norddeutschland tätig. Der Diplom-Betriebswirt (FH) war zuvor zunächst im Maschinenbau tätig und anschließend Leiter der betriebswirtschaftlichen Abteilung einer Großbank. Als Berater befasst sich Betinski kompetent mit den Fragen und Problemen mittelständischer und kleinerer Kapital-, Personen- und Familiengesellschaften. Eine besondere Kompetenz hat er für den Baubereich und alle handwerklichen Nebengewerbe, aber auch für die Speditions-, Logistik-und Transportbranche entwickelt. Schwerpunkte des Leistungsbereichs sind Coachings, Krisen- und Sanierungsmanagement sowie Geschäfts-/Unternehmensplanungen und Controlling.

Seite drucken

« zurück zur Übersicht