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Stimmen und Stimmungen aus dem RQP-Netzwerk

Dezember 2016
von Tanja Werner

Veränderungen erkennen und nutzen
Mich bewegen derzeit vor allem die Globalisierung und die Digitalisierung, die eng miteinander verbunden sind. Obwohl zum Beispiel Investoren aus China immer mehr Hochtechnologie-Unternehmen in Deutschland aufkaufen, stelle ich bei meiner täglichen Arbeit fest, dass sich Mittelständler zu wenig mit diesen Zukunftsthemen auseinandersetzen. Ich würde mir wünschen, dass sich Unternehmenslenker mindestens einmal im Jahr eine Auszeit gönnen, um das eigene Unternehmen und sein Umfeld zu analysieren.
 

Entscheider müssen rechtzeitig aktuelle Diskussionen und Auswirkungen von Veränderungen auf Produkte oder Dienstleistungen erkennen und diese in Relevanz zum eigenen Betrieb setzen. Nur so kann sichergestellt werden, dass Entwicklungen nicht verpasst werden. Innovative Ideen sind die einzige Chance, die Deutschland hat, um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen. Deutschland muss wieder der Innovationsmotor (der Welt) werden, egal wo die Produktion am Ende stattfindet. Die zum Teil erschreckend schleppende Digitalisierung in den eigenen Unternehmen ist nur ein Hinweis darauf, dass die Bedeutung gerade von vielen kleineren Unternehmen noch nicht ausreichend erkannt wird. Zu viele sind so sehr im Tagesgeschäft verhaftet, dass sie sich kaum Gedanken über die Auswirkungen von Globalisierung und Digitalisierung auf ihren Betrieb machen. Meine Angst ist es, dass Deutschland und speziell die kleineren Unternehmen den Anschluss verlieren und unsere Leistungen immer weniger nachgefragt werden. Dabei steckt so viel Kreativität in uns. Wir müssen uns nur die Fähigkeit bewahren und die Zeit nehmen, diese auch herauszuholen.
 
Brigitte Stilp, DEFINO Unternehmensberatung, Hamburg

Peter Runge, Volksbank eG, Steyerberg
Der Trend geht zu größeren Einheiten
Was uns hier alle im Moment bewegt, ist die für das kommende Jahr geplante Fusion der Volksbanken Steyerberg, Nienburg und Aller-Weser. Auch wenn es sich um eine regionale Fusion handelt, sind derartige Entwicklungen auch überregional von großer Bedeutung. Wir leben in sich stark wandelnden Zeiten, in denen sich auch die Finanzwelt spürbar verändert. Niedrigzinsen, steigender Kosten- und Wettbewerbsdruck oder die zunehmende Digitalisierung zeigen, dass wir uns weiterentwickeln müssen, um für die Bedürfnisse des Marktes und der Kunden gewappnet zu sein. Der Trend geht daher allgemein zu immer größeren Einheiten.
Das Zusammengehen von unseren im Kern gesunden Banken führt zu einer wirtschaftlichen Größe, die in einem sehr harten Wettbewerbsumfeld gerade in ländlich geprägten Räumen unser genossenschaftliches Geschäftsmodell in der Region erhalten wird. Zugleich lassen sich die vielen Regulierungen und Auflagen besser gemeinsam stemmen. Sicherlich gibt es Kunden, die befürchten, dass mit der Fusion eine große Einheit entsteht, in der die Regionalität und die Nähe zu den Kunden leiden könnte. Unsere Aufgabe ist es zu beweisen, dass wir uns trotz der Veränderungen weiterhin aus der Region für die Region engagieren, aber zu einem stärkeren Finanzpartner mit innovativeren Finanzprodukten werden und zum Beispiel auch ohne Partner aus dem genossenschaftlichen Verbund große Investitionsvorhaben begleiten können. 

 

Marion Matthießen-Voß, Spedition Wolfgang Matthießen, Gaushorn
Belegschaft auf Augenhöhe begegnen 
Mich bewegen derzeit vor allem Ideen, wie mittelständische Unternehmen gerade in strukturschwachen Regionen nachhaltig wirtschaftlich erfolgreich sein können. Denn Erfolg und eine gute Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern kann nicht um jeden Preis erkauft werden, sondern benötigt als wichtige Basis ein gutes Verhältnis, vor allem aber einen Umgang mit Mitarbeitern auf Augenhöhe.
Natürlich müssen meine Schwester und ich als Geschäftsführerinnen die Richtung bestimmen. Dabei gelingt es uns, glaube ich, ganz gut, das gesamte etwa 70 Frauen und Männer starke Team auf kameradschaftlicher Basis mitzuziehen und bei Problemen gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Ich habe das Glück, einige meiner Mitarbeiter selbst ausgebildet zu haben, die mittlerweile schon Führungspositionen erreicht haben. Nach einer jahrelangen Verbundenheit wissen wir, dass wir uns aufeinander verlassen können. Bei der Auswahl von neuem Personal wählen wir diejenigen aus, die gut ins Team passen und versuchen, die gesamte Belegschaft zum Beispiel mit Teambildungsmaßnahmen oder Betriebsfesten aneinander zu binden. Wichtig ist die menschliche Ebene: Es muss auch immer mal Zeit für ein privates Wort und persönliche Belange da sein.
Ein ehrlicher und persönlicher Umgang miteinander steigert nicht nur die Leistungsbereitschaft und Motivation, sondern hält die Mitarbeiter auch im Unternehmen. Denn natürlich ist es auch für uns schwierig, geeignete Fachkräfte zum Beispiel für die Bedienung von Spezialfahrzeugen zu finden. Daher ist es so wichtig für mittelständische Unternehmen, der Belegschaft auf Augenhöhe zu begegnen.

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