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Augenblick mal

Dezember 2014
RQP Info: Ausgabe 03/November 2014

Structure follows StrategyGastbeitrag von Prof. Dr. Arnold Weissmann, Gründer und Geschäftsführer der WeissmannGruppe für Familienunternehmen.

Nürnberg.
„Structure follows Strategy“ ist für Prof. Dr. Arnold Weissman, Strategieberater für Fa-milienunternehmen, nur eine Seite der Medaille. „Die Organisation muss den Führungsgrundsätzen folgen“. Die beste Unternehmensform ist ein kapitalmarktfähiges Familienunternehmen. Auch wenn ein Unternehmer nicht die Absicht hat, an den Kapitalmarkt zu gehen, kommen ihm die Professionalität, Transparenz und Kommunikation, die dort verlangt werden, zugute.“

Beständige Arbeit am Unternehmen

Structure follows StrategyDie Führung entscheidet über den Erfolg eines Familienunternehmens: Ein Unternehmer ist wie ein Archi-tekt, der beständig an seinem Unternehmenshaus arbeiten muss, damit er es in gutem Zustand an die nächste Generation übergeben kann. Das Fundament des Strategiehauses bilden die Werte und die Unternehmenskultur. Das Leitbild mit Mission und Vision sind das schützende Dach, das von den Säulen Strategie, Organisation, Führung/Mitarbeiter und Familie getragen wird. Ist das Fundament nicht stabil, fallen Dachziegel herab oder die Säulen wanken. Das Haus wird zum Sanierungsfall.

Die Strategie ist der Weg zu einem Ziel, zu den Wettbewerbsvorteilen von morgen. Das strategische Oberziel eines jeden Unternehmens muss eine gesteigerte Überlebensfähigkeit sein – ganz wie in der Natur. Nicht zielführend hingegen ist Wachstum um jeden Preis und Wachstum darf niemals Selbstzweck sein. Wachstum sollte vor allem nie in einen ruinösen Preiskampf führen. Besser ist es, sich vom Wett-bewerb zu differenzieren. Auch die Natur zeigt uns, dass langfristig nur diejenigen überleben, die einzig-artig sind. Der russische Biologe Georgi Gause hat das Prinzip „be different or die“ an Experimenten beschrieben und bewiesen. Die Quintessenz: Je größer die Differenzierung, umso größer ist die Harmonie; je ähnlicher die Struktur, umso brutaler ist der Verdrängungswettbewerb. Sobald ein Unternehmen die brennenden Probleme seiner Kunden nicht nur anders, sondern auch sichtbar besser löst, hat es seinen Wettbewerbern etwas voraus: Es unterscheidet sich - positiv. Austauschbare Leistungen führen in stagnierenden Märkten zwingend zu negativen Wachstumsraten und sinkenden Renditen.

Führung muss Sinn geben

Es ist die Aufgabe der Unternehmensführung, dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern einen Sinn zu geben. Viele psychische Krankheiten wie Burn-out entstehen aus Sinnlosigkeit und Erfolglosigkeit, aus fehlendem Sinn bei der Arbeit. Mit Mission und Vision kann man einen solchen Sinn vermitteln und errei-chen, dass die Mitarbeiter stolz auf ihr Unternehmen sind und ihre Arbeit gerne tun. Die Führung spielt dabei die wichtigste Rolle, vor allem die zweite Ebene, denn sie ist es, die die Strategie in die Organisati-on tragen und gemeinsam mit den Mitarbeitern bis zum einzelnen herunterbrechen muss. „Führungskräfte müssen dieselben Werte wie das Unternehmen haben, sonst können sie sie nicht glaubhaft leben“, betont Prof. Weissman. „Von Führungskräften, die andere Werte haben und den in der Organisation herrschenden Führungsgrundsätzen nicht folgen können, muss man sich trennen.“

Der Mensch ist heute der entscheidende Engpassfaktor in Unternehmen. Insofern kommt der Führung wachsende Bedeutung zu. Das Ziel von Führung ist die Unterstützung und Inspiration. Sie muss Vorbild sein, Ziele zeigen und Orientierung geben. Zudem müssen Führungskräfte Sinn vermitteln, denn Motiva-tion ist intrinsisch. Sie kommt von innen und muss innen geweckt werden. Führende sind nur Führende, wenn sie Folgende haben. Wenn Ihnen in der Krise keiner folgt, waren Sie nie Führende, sondern höchs-tens Diktatoren, denen man aus Angst folgt. Die Mitarbeiter – und nur sie allein – entscheiden, ob jemand eine (gute) Führungskraft ist. Und bedenken Sie: Motivation lässt sich nicht kaufen. Motivation kann man nur behindern. Der direkte Vorgesetzte ist der häufigste Kündigungsgrund von Mitarbeitern. Führung sollte auf Vertrauen fußen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Organisation hierarchisch oder vernetzt aufgebaut ist. Hierarchiefreie Unternehmen wird es nicht geben, ebenso wenig wie es in der Natur ohne Hierarchien geht. Führung lässt sich mit Kindererziehung vergleichen. Im Mittelpunkt stehen das Kind und seine Entwicklung. Mitarbeiterentwicklung bedeutet nicht Hierarchieentwicklung, sondern Kompetenzent-wicklung. Erziehung und Führung bedeuten, anderen alle Möglichkeiten zu bieten, damit sie sich optimal entwickeln können. Führen heißt, andere emporheben.

Organisation für die Zukunft

Die Schwerpunkte der Strategie mit den Kernkompetenzen und den künftigen Wettbewerbsvorteilen müssen in der Organisation abgebildet werden. Die Strategie legt fest, welche Kompetenzen Sie in drei, fünf und sieben Jahren brauchen. Die Organisation muss so angelegt sein, dass Sie diese Kompetenzen entwickeln können. Wenn Sie sich vom Wettbewerb durch eine starke Marke absetzen möchten, ist es zwingend, dass die Organisation auf dieses Ziel hin ausgerichtet ist. Das bedeutet, dass Sie in der Ge-schäftsführung einen Markenexperten brauchen. Die Organisationsform, die man letztlich wählt, muss zum Unternehmen passen und die Umsetzung seiner Strategie erlauben. Je komplexer und dynamischer der Markt ist, in dem  sich das Unternehmen bewegt, je komplexer und neuartiger seine Produkte, desto weniger eignet sich eine hierarchische Organisation. Vernetzte und virtuelle Organisationen sind die Or-ganisationen der Zukunft.

Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass Unternehmen sich davon verabschieden müssten, ein Produkt zu verkaufen. Der Kunde kauft kein Produkt, sondern den Nutzen, den es ihm bietet. Niemand kauft ein Medikament, weil die Tablette so eine hübsche Farbe hat, sondern weil er hofft, dass es ihn von Schmer-zen befreit oder ihn gesund macht. Die gesamte Organisation muss auf den Kundennutzen ausgerichtet werden. Unternehmen müssen zentrale Probleme Ihrer Kunden sichtbar besser lösen als andere. Um aber die Probleme der  Kunden zu erkennen, müssen Unternehmen kommunizieren. Mitarbeiter brauchen die nötigen Kompetenzen, um das erkannte Problem dann auch besser als der Wettbewerb zu lösen. Und selbst wenn das gelingt, muss das Unternehmen noch sichtbar werden. Das geschieht durch Kommunikation und Kommunikation funktioniert nicht ohne Menschen. Der große Macher an der Spitze, der allen zeigt, wo es langgeht, reicht nicht mehr. Heute brauchen alle einen Plan, damit sie ihre Aufgaben erfüllen können.

Profil: Prof. Dr. Arnold Weissman (WeissmannGruppe für Familienunternehmen)

Weissmann GruppeArnold Weissmann ist Jahrgang 1955, verheiratet und Vater von vier Kindern. Er ist Professor für Unternehmensführung speziell für Familienunternehmen sowie Marketing an der OTH Regensburg, ist Kompetenzbereichs-Leiter für Strategie an der Zürich International Business School (ZIBS) und externer Dozent an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Als Erfolgsstratege ist er für die Beratung und Entwicklung bei international ausgerichteten, inhaber- und familiengeführten Unternehmen des Mittelstands gefragt. Noch während seines Studiums musste er die Firma seiner Eltern (Heizungsbau, Mineralöl- Groß- und Einzelhandel mit Tankstellen sowie einen Textil- Einzel- und Großhandel) übernehmen. Seit dieser Zeit ist Prof. Dr. Weissman als selbstständiger Unternehmer und Berater tätig. Bekannt wurde er durch die von ihm entwickelte Methodik des „System Weissman – 10 Stufen zum Erfolg”, die er eigens für die spezifischen Herausforderungen und Begleitung von Familienunternehmen konzipierte. 1987 gründete er das renommierte Beratungs- und Weiterbildungsunternehmen die WeissmanGruppe, welche im Oktober 2013 für ihre hohe Kompetenz und Beratungsleitung für den Mittelstand mit dem Qualitätssiegel “TOP CONSULTANT 2013/2014″ ausgezeichnet wurde. Die WeissmanGruppe ist mit Büros in Nürnberg, Innsbruck, Zürich und Lana international aufgestellt. Prof. Dr. Arnold Weissman ist Autor zahlreicher Wissensbücher und praxisorientierter Fachartikel. In seinen Vorträgen und Seminaren begeistert er vor allem dadurch, dass es ihm gelingt, komplexes Expertenwissen in verständlicher Form zu vermitteln.

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