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Familienunternehmen: Deutlicher Trend zu mehr Beratung

Dezember 2014
von Christiane Tiemann, Tanja Werner

RQP Info: Ausgabe 04/Dezember 2014

Kiel, Hamburg, Hannover.
Mittelständische Betriebe trauen Unternehmensberatern oft nicht über den Weg. Die Vorurteile: zu teuer, zu zeitaufwendig und zu wirkungslos. Dabei ist meistens das Gegenteil der Fall. Eine Beratung ist eine Investition in die Unternehmenszukunft, die sich auszahlt, wenn man nur den richtigen Berater findet. Diese Qualitätssicherung übernimmt in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen seit über 11 Jahren RQP. 1.300 Unternehmen haben seither Experten aus dem RQP-Pool vertraut. „1.300 Unternehmen bedeuten 2.600 Beratungsmandate. Das zeigt, dass viele Unternehmen, die einmal den Zugang zur Beratung gefunden haben, den Wert und den Nutzen sehr schätzen und sich gern für weitere Herausforderungen externes Know-how einholen“, erläutern die RQP-Geschäftsführerinnen Tanja Werner und Christiane Tiemann in einem Interview über Familienunternehmen mit RQP-Info-Redakteur Jörg Manthei.

Frau Tiemann und Frau Werner

Christiane Tiemann und Tanja Werner (Foto: RQP)
RQP-Info: Frau Werner, Frau Tiemann, mal ganz kurz gefasst: Welche Vorteile haben Familienunternehmen, wenn sie einen Berater einschalten?

Tiemann: Sie sind wirtschaftlich langfristig erfolgreicher, sie werden krisenresistenter und sie sichern ihre Existenz ab.

Werner: Genau, denn gerade in kleineren Familienunternehmen fehlen oft bestimmte Funktionen, aber auch Know-how. Diese Lücken lassen sich mit Beratern temporär schließen.

RQP-Info: Aber lassen sich inhaber- und familiengeführte Unternehmer gern von Fremden auf die Finger schauen? Es könnte ja der Eindruck entstehen, sie hätten ihren Laden nicht im Griff.


Tiemann:
Sie meinen gemäß der Philosophie‚ der Unternehmer hat keine Schwäche, sonst wäre er ja nicht Unternehmer geworden? Das ist in der Tat ein großes Thema. In mittelständischen Familienbetrieben ist man gegenüber Beratungsprojekten viel zurückhaltender als in Konzernen und managergeführten Unternehmen. Das ist die besondere Herausforderung für uns: mittelständische Firmenchefs sehr sensibel an eine Beratung heranzuführen und vom nachhaltigen Sinn zu überzeugen. Und genau darin liegt eine der ganz besonderen Stärken von RQP.

RQP-Info: Wie gehen Sie konkret vor, um dieses Vertrauen aufzubauen?

Werner: Das fängt beim Outfit an. Krawatte und Anzug passen nicht zu jedem Unternehmen. Man muss sich anpassen, auf Augenhöhe bleiben und von Anfang an Distanzen vermeiden. Und das Zweite ist, dass man erst einmal die zum Teil jahrzehntelangen erfolgreichen Aufbauleistungen wertschätzt. Das wird leider immer wieder vergessen. Oft wird sofort auf Fehlern herumgeritten. Man darf aber nicht als Besserwisser im Anzug mit dem Holzhammer um die Ecke kommen und alles niedermachen.

RQP-Info: Also lieber Nebelkerzen werfen, um die manchmal dramatische Wahrheit diplomatisch zu verschleiern?

Tiemann: Nein, das hilft natürlich auch nicht weiter. Und am Ende sind die Unternehmer dankbar für ein offenes Wort. Allerdings muss man sie erst einmal abholen. Neulich hat ein Familienunternehmer so ein Beratungsprojekt als eine ‚Operation am offenen Herzen‘ bezeichnet, die weitreichende Auswirkungen auf den Betrieb und die Existenz hat. Wenn man kein Vertrauen hat, werden Vorschläge nur halbherzig oder gar nicht umgesetzt. Das bringt doch nichts.

Werner: Jeder Berater muss sein Thema fachlich mit viel Kompetenz und Erfahrung angehen. Zugleich ist er aber gerade bei Familienunternehmen auch ein Coach, der die Unternehmer betreut und sie animiert, die Prozesse bis zum Ende mitzugehen. Dafür muss natürlich jede Beratung individuell vorbereitet werden. Wir achten darauf, dass Berater nicht immer das gleiche Programm aus dem Hut zaubern, sondern ihre Vorschläge passgenau auf ihren neuen Kunden zuschneiden.

RQP-Info: Sind jüngere Unternehmer für externe Hilfe aufgeschlossener als ältere Firmenpatriarchen?

Familienunternehmen ticken anders als KonzerneWerner: Es gibt bei Familienunternehmen eindeutig den Trend zu mehr Beratung. Das hat mehrere Gründe. Die Rahmenbedingungen werden immer komplexer und die Entwicklung immer dynamischer. Sie müssen sich auf schwierige Herausforderungen einstellen, wie den demografischen Wandel oder Mitbewerber aus dem Internet. Das ist für kleine Betriebe oft nicht zu schaffen.

RQP-Info: Naja, den Fachkräftemangel aufgrund des demografischen Wandels können auch Ihre Berater nicht beseitigen …

Tiemann: …richtig, aber unsere Berater können darüber informieren, wie man zeitgemäß Mitarbeiter gewinnt. Eine Anzeige in der Lokalzeitung reicht eben nicht mehr. Auch ist es wichtig, den Betrieb so auszurichten, dass die Mitarbeiter gern lang im Unternehmen bleiben. Dafür muss man unter anderem verstehen, wie junge Menschen heute ticken. Die kann man nicht mehr maßregeln wie früher. Diese veränderte Führungskultur muss erst gelernt werden.

RQP-Info: Kommen die Unternehmer denn rechtzeitig zu Ihnen?

Werner: Zu oft kommen sie, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Das sehen wir dann an den Zahlen. Je früher man sich aber den Herausforderungen stellt, desto mehr Handlungsspielräume hat man – sowohl zeitlich als auch finanziell.

RQP-Info: Warum glauben Sie eigentlich, dass Sie die richtigen Berater speziell für Familienunternehmen haben?

Tiemann: Familienunternehmen ticken anders als Konzerne. Das wissen unsere RQP-Berater und empfehlen dem Inhaber nicht, die eigene Tochter zu entlassen, weil sie in der Buchhaltung nicht genug Leistung bringt. Sie schlagen andere Lösungen vor, zum Beispiel Qualifikation durch Fortbildung.

Werner: Es braucht ein gemeinsames Werteverständnis. Und das prüfen wir bei unseren Beratern, damit sie auf Augenhöhe auf die Unternehmen zugehen.

RQP-Info: Bleibt die Kostenfrage. Viele Mittelständler haben Angst vor hohen Beraterkosten. Wie gehen Sie das Problem an?

Tiemann: Zunächst einmal sollte jedes Unternehmen ohnehin im Schnitt ein Prozent vom Jahresumsatz für Beratungsleistungen kalkulieren. Das ist eine Investition, die sich in der Regel lohnt. Die Ausgabe muss sich natürlich wie andere Investitionen irgendwann amortisieren, es muss ein handfester Nutzen dabei herauskommen. Es ist die Aufgabe von RQP zu evaluieren, dass das Kosten-Nutzenverhältnis stimmt.

RQP-Info: Können Sie auch finanziell helfen?

Werner: Wir haben zum Thema Beratungskostenzuschüsse umfangreiche Kompetenzen aufgebaut. Wir helfen gern bei der Beantragung und Einwerbung von Beratungskostenzuschüssen, wenn eine Förderfähigkeit vorliegt.

RQP-Info: Läuft die Kosten-Uhr denn schon, sobald Unternehmer Sie ansprechen?

Tiemann: Überhaupt nicht. Wir bieten immer ein kostenfreies Erstgespräch an. Hier analysieren wir die Probleme und Wünsche. Erst dann sehen wir in unserem Berater-Pool nach, ob wir überhaupt den richtigen Experten haben, der zu dem Unternehmen passt – die Chemie muss unserer Meinung nach stimmen. Dieses Angebot sollten Unternehmer sehr frühzeitig in Anspruch nehmen, damit sie gut über ihre Möglichkeiten informiert sind.

Werner: Unterm Strich sollte sich jedes Unternehmen damit beschäftigen, ob es für die verschiedensten Themen Sinn macht, sich beraten zu lassen. Viele tun das nicht, weil sie von Vorurteilen geprägt sind oder nicht wissen, wie sie es angehen sollen. Sie sollten uns am besten ansprechen. Wir helfen auf jeden Fall weiter.

RQP-Info: Frau Werner, Frau Tiemann, vielen Dank für das Gespräch.


Foto: RQP

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