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Wirtschaftsfaktor Mensch – die entscheidende Rolle in kleinen mittelständischen Betrieben

Dezember 2016
von Tanja Werner

Niendorf/Hamburg. „Die Zufriedenheit unserer Kunden steht bei uns an vorderster Stelle – denn die beste Werbung sind zufriedene Kunden.“ Unter diesem Motto engagiert sich Zimmerermeister Andreas Quistorf mit seinem Team auf der Ostseeinsel Fehmarn. Mit zunehmendem Erfolg kümmert sich seine Belegschaft aus Zimmerer- und Tischlergesellen, einer Bauzeichnerin sowie zwei Auszubildenden um Aus-, Um- oder Dachstuhlbauten und fertigt seit einigen Jahren sogar komplette Holzhäuser an. Es läuft. Das war allerdings nicht immer so, denn Forderungsausfälle und eine fehlende Strategie hatten das Unternehmen zeitweise in eine Schieflage gebracht. Andreas Quistorf scheute sich jedoch nicht, vor über drei Jahren einen Experten zu beauftragen, neue Ideen für sein Unternehmen zu entwickeln. In enger Zusammenarbeit mit RQP-Berater Rainer Liebenow von der AS(S) Unternehmensberatung setzte er seinen mittelständischen Betrieb wieder auf die richtige Spur – gefördert vom Programm unternehmensWert:Mensch.

 
„Herr Liebenow hat die Firma komplett auseinandergenommen“, erzählt Andreas Quistorf. „Er hat Schwächen aufgezeigt und sie beseitigt. Ich kann jedem mittelständischen Betrieb empfehlen, mal einen Betriebsberater ins Boot zu holen, selbst wenn man gut dasteht“, so Quistorf. „Man selbst wird mit der Zeit betriebsblind und ein Berater findet immer Stärken und Schwächen – immer.“
Schon lange vor dem Beratungsgespräch hatten sich Unternehmer Andreas Quistorf und Berater Rainer Liebenow zufällig bei der Vereinigung Junger Bauunternehmer bei einem Gläschen Wein kennengelernt. So war das Eis schnell getaut, als RQP den Hamburger als Experten präsentierte. Denn Quistorf wusste bereits, dass sich Liebenow ganz genau in der Baubranche auskennt. „Wir verstehen uns auch heute noch sehr gut, wenn ich auch mit harter Kritik nicht hinterm Berg gehalten habe“, sagt RQP-Berater Liebenow. „Ja, man braucht schon ab und zu ehrliche Worte“, ergänzt Handwerker Quistorf. „Drumherum reden führt zu nichts.“
Um die Zimmerei auf stabilere wirtschaftliche Beine zu stellen, hat Rainer Liebenow zunächst ausführliche Gespräche mit dem Firmenchef und seinen Mitarbeitern geführt, den Betrieb besichtigt und Unterlagen gesichtet. Grundlage seiner Arbeit war der bundeseinheitliche Standard „Gutes Bauen: Unternehmenscheck“, an dessen Entwicklung der Experte selbst beteiligt war. Mit Hilfe der Checkliste wurden nun auch auf Fehmarn Schwächen aufgezeigt und geeignete Maßnahmen vorgeschlagen. Herausgekommen sind neue Marketing-Ideen, neue Mitarbeiter wurden eingestellt, die Managementsystematik verbessert und Verantwortung mit einer neuen Führungsebene verteilt sowie Netzwerke zu Lieferanten und anderen Zimmereien aufgebaut, damit bei Engpässen auf gute Partner zurückgegriffen werden kann.
„Wir brauchten vor allem mehr Stabilität, um Umsatzschwankungen zu vermeiden“, erzählt Rainer Liebenow. Die Insellage stellte den Betrieb vor viele Herausforderungen und die Nebensaison musste überbrückt werden. „Weil es auf Fehmarn viele Campingplätze gibt, kann man hier gut Holzmobilheime verkaufen. Ein Neugeschäft für die Zimmerei, das sehr gut angelaufen ist“, so Liebenow.
Als weiteres Handlungsfeld packten der Experte und der Unternehmer Quistorf das Managementsystem an. „Viele Zusatzarbeiten für Kunden sind früher nicht notiert und berechnet worden“, gibt auch Andreas Quistorf zu. Als Lösung wurde in dem Betrieb eine zusätzliche Bürokraft eingestellt und eine zweite Führungsebene eingezogen, damit Verantwortung klarer verteilt wird. „Diese Maßnahme hat als Nebeneffekt die Motivation enorm gesteigert. Die Leistungskennzahlen haben sich mit der Maßnahme deutlich verbessert, die Fehlerquote tendiert Richtung Null und vor allem wurde die Rechnungsstellung optimiert“, resümiert Liebenow.
Wichtig sei dabei gewesen, bei der Einführung des neuen Systems die Mitarbeiter einzubinden. Bis heute findet einmal im Jahr für alle Betriebsangehörigen ein Meeting zur Vorbereitung der Ziele des Folgejahres statt.
Eine Maßnahme, die sehr gut ankommt, denn, so Rainer Liebenow, „die Beschäftigten der Firma Quistorf fühlen sich als Menschen ernst genommen.“
Auch die Liquidität behalten Unternehmen und Berater seither fest im Auge. „Wir sehen uns regelmäßig die wichtigsten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen an, bewerten quartalsweise die Zielerreichung und entwickeln daraus geeignete Aktionspläne.“
Ein großer Vorteil: Auch Unternehmenschef Quistorf ist bereit gewesen, an seinen eigenen Stärken und Schwächen zu feilen. Denn der Wirtschaftsfaktor Mensch spielt gerade in einem kleinen mittelständischen Betrieb eine besonders große Rolle. Und wenn der Boss selbst nicht genau weiß, wohin er eigentlich laufen will, dann kann er seine eigenen Leute nicht authentisch mitnehmen. Dafür muss aber auch in Zukunft das Motto „wer rastet, der rostet“ gelten. Rainer Liebenow: „Man darf sich nicht an das Umstrukturierte gewöhnen und in den alten Trott zurückfallen, selbst wenn das viel gemütlicher ist.“
Andreas Quistorf ist jedenfalls hoch zufrieden mit den Ergebnissen der Beratung. „Wir haben derzeit ein Dreivierteljahr Vorlauf an Arbeit. Das läuft jetzt richtig gut“, freut sich der Firmenchef. 
 
Porträts
 
Die Zimmerei Andreas Quistorf wurde im Oktober 2003 gegründet. Die Werkstatt befindet sich in einer alten Scheune auf einem ehemaligen Bauernhof in Niendorf auf Fehmarn. Zurzeit arbeiten acht Zimmergesellen, ein Tischlergeselle, eine Bauzeichnerin und zwei Auszubildende für den Handwerksbetrieb. Zum Leistungsportfolio gehören Dächer, Holzrahmenbau, Fenster, Türen, Tore, Treppen, Wintergärten und Gartenhäuser, Innenausbau sowie die Sanierung oder Restauration von Gebäuden. Seit einigen Jahren werden sogar komplette Holzhäuser gefertigt.
 
Rainer Liebenow hat die AS(S) Unternehmensberatung GmbH 1993 gegründet. Ziel des Diplom-Kaufmanns ist es, innovative Konzepte für die Personal- und Organisationsentwicklung in der Bauwirtschaft zu entwickeln und gemeinschaftlich mit den Kunden umzusetzen. Dabei stehen oft das Einbinden neuer Technologien und Managementsysteme in die Arbeitswelt im Mittelpunkt der Projekte. Rainer Liebenow ist autorisierter Berater der „Offensive Gutes Bauen“ sowie der „Offensive Mittelstand“, zertifizierter RQP-Berater, Qualitätsleiter, Qualitätsauditor und Mitglied im Hamburger Consulting Club. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projektes „Aktiv“ wurde von der AS(S) Unternehmensberatung sowie dem Institut für Technik in der Betriebsführung der „Gutes Bauen: Businessplan“ entwickelt und erprobt. Die Unternehmensberatung ist Kooperationspartner des Norddeutschen Baugewerbeverbandes e.V., des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein e.V. und des Norddeutschen Abbruchverbandes e.V.

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